3. August 2019
Da wir ohnehin nur ein paar hundert Meter von ihr entfernt übernachtet hatten, besuchten wir morgens
La Cathédrale Notre-Dame de Bayeux, eine von Frankreichs sehenswertesten Kathedralen. Besonderheit dieser Kirche ist, dass sie zwar durchaus wie eine
"normale" gotische Kirche erscheint, jedoch ursprünglich eine romanische Kathedrale war, um die herum eine gotische gebaut wurde. Nach der Besichtigung dieses uralten Bauwerks
ging es direkt weiter zur nächsten Sehenswürdigkeit: Ein 1000-jähriges besticktes 70 Meter langes Leinenband, das die Überfahrt und Eroberung Englands durch den damaligen
Normannenherzog
Wilhelm der Bastard (Nach der Eroberung:
Wilhelm der Eroberer, König Englands)
darstellt. Nach einer kurzen Mittagspause ging es weiter nach Colville-sur-Mer und Omaha Beach, wo sich der US-amerikanische Soldatenfriedhof mit dazugehörigem Memorial befindet,
und wo die Geschehnisse und Vorbereitungen der Operation
Overlord und der mühsamen Rückeroberung Frankreichs im Jahre 1944 geschildert
werden. Trotz leichter Tendenz zur Verharmlosung (zur Erhaltung der Familienfreundlichkeit?) der Schrecken dieser Invasion, bei der insgesamt 1,8 Millionen alliierte, frisch
rekrutierte und junge Soldaten teilweise bewusst als Kanonenfutter verwendet wurden, erhält man hier einen umfassenden Überblick über die Invasion. Eindrücklich war vor allem die
Sicht beteiligter Soldaten: "Die von der ersten Welle dachten, sie seien wegen ihrer hervorragenden Leistungen während dem Training ausgewählt worden. Wie sich herausstellte
wurden schlichtweg die Greenhorns vorangeschickt, da ihre Leben am unwichtigsten waren."
Interessant waren auch viele Informationen, die man leider nur bei genauerem Lesen der Tafeln erfuhr. Zum Beispiel, dass die Invasion der Alliierten nur mit schierer
zahlenmässiger Übermacht und enormen Verlusten gelingen konnte, obwohl der "Atlantikwall" der Deutschen laut Rommel, dem Oberinspektor und -befehlshaber der Naziverteidigung, ihn
offenbar als "mangelhaft" eingestuft hatte. Bis zum 6. Juni 1944 konnten die Verteidigungsanlagen jedoch nicht zur Genüge ausgebaut werden, da die französischen Zwangsarbeiter
sich alle Mühe gaben, möglichst langsam zu arbeiten und die Résistance an Sabotage-Akten nicht müde wurde.
Nach der Besichtigung verschiedener Schauplätze des "D-Days" (französisch: J Jour / deutsch: Tag X) und eines weiteren Museums zum gleichen Thema, fanden wir schließlich unseren
Platz für die Nacht vor der historischen Kirche in Quettehou.