Tag 10 Verena
Di,
07.08.18:

Der heutige Morgen, der letzte mit dem Wohnmobil, begann ungewöhnlich hektisch. Nachdem ich gestern schon den
Verdacht hatte, dass uns das Gas bald im Stich lassen würde, da wir nun einige Abende und Morgen ein wenig geheizt hatten, passierte das natürlich ausgerechnet in dem Moment, als
zwei Pfannen voller Milch und Wasser auf dem Herd standen. Das allein wäre ja kein Problem gewesen, wenn nicht in demselben Moment ein riesiger Müllwagen vor bzw. neben uns
gestanden hätte. Wir hatten nämlich am Vorabend dichtestmöglich an das Receptionshäuschen geparkt (um das WiFi empfangen zu können), und das war eben neben der Abfallmulde, die
soeben geleert werden sollte. Und Umparkieren mit zwei vollen Pfannen auf dem Herd geht auf Islands Schotterpisten definitiv nicht. Die Zeit, bis Thomas den Gasflaschenmechanismus
durchschaut hatte, nutzten wir derweil, um ein wenig zu packen. Ich habe ja fast jahrzehnte Wohnmobil- und Campingerfahrung, aber Goldie
ist ja doch eher ein etwas unpraktisches Gefährt. Wenn einer im Wagen steht, kann keiner mehr irgendetwas anderes machen als genau dort sitzenbleiben, wo er bzw. sie gerade ist.
Nach 10 Tagen hatten wir den Kühlschrank, der eigentlich ein Nassschrank war, immer noch nicht durchschaut und Geschirr und Besteck gab es vieles - bis auf das, welches man
brauchte.
Wir zuckelten gegen 10 Uhr dann also los in Richtung Stadt: Akranes soll der älteste Fischerhafen Islands sein und
zudem das einzige Zementwerk des Landes haben. Dieses machte aber grad den Eindruck, wie wenn es zur Zeit selber zu Zement verarbeitet wird. Der städtische Fußballverein wurde
übrigens 18 Mal Landesmeister. Vermutlich wird teilweise indoor Fussball trainiert; jedenfalls stehen fußballfeldgroße Hallen in der Landschaft herum. Nach dem Sightseeing
besuchten wir das durchaus lohnenswerte Volkskundemuseum der Stadt, wo es nicht nur wie fast überall Gratiskaffee gab sondern auch noch
Gratisguetzli: eine Mischung aus Berliner und Fasnachtsschenkeli in der Grösse von Calamares. Im Reiseführer war das Museum auch als Sportmuseum angepriesen, aber davon habe ich
jedenfalls nicht viel gesehen. Dafür gab es sonst vom Augenarztstuhl bis zum Taschenrechner über Schiffswracks und ältestes gemauertes Haus Islands so ziemlich alles zu
bewundern.
Da allmählich die Abgabezeit von Goldie näher rückte, machten wir uns dann schnurstracks auf in Richtung Keflavik. Unterwegs tauchten wir unter dem Meer hindurch (Maut-Tunnel) und wollten eigentlich noch auf einen Hügel. Da es aber wieder so stürmte und
regnete, ließen wir es dann doch bleiben: Wir waren noch von gestern gelüftet. Es gibt zwar im Isländischen eine Redensart: "Wenn Dir das
isländische Wetter nicht passt, dann warte einen Augenblick." Aber diesen Augenblick hatten wir nicht. Bis 16 Uhr mussten wir Goldie abgeben und Punkt (!) 16 Uhr fuhren wir auf den Hof von Camper-Iceland. Auf die Gesamtstrecke von 2000
km hatten wir lediglich 10 km überbucht. Es soll ja Leute gegeben haben, die für 300 km und mehr nachzahlen mussten - ein teurer Spaß! Die Abgabe war bedeutend weniger mühsam wie
die Übernahme, und so wurden wir rasch an den Flughafen gebracht, von wo wir den Shuttlebus nahmen, der uns nach über einer Stunde Sightseeing durch die Stadt direkt vor der
Jugendherberge absetzte, welche nun für vier Nächte unser Hafen sein wird. Da es doch schon spät war und keiner große Lust hatte, sich wieder in den Wind zu begeben, haben wir
dann lediglich beim nahen Freibad, das trotz lausiger Kälte gut besucht war, einem der berühmten Hotdog-Stände Islands einen Besuch abgestattet und einen unspektakulären
Rumhängabend verbracht.