Do, 02.08.18:

Nach dem obligaten Porridgefrühstück mit dem zeitgleichen Versuch, in nebligem Wind feuchte Handtücher zu trocknen, zuckelten wir ans Ende unserer Wildcampiererstrasse in der
Absicht, entweder das
Vesturhorn zu besteigen oder die Halbinsel zu Fuss zu umranden. Von beiden nahmen wir dann aber Abstand, weil
offenbar der Besitzer des kleinen Coffeeshopcampingparkplatzes diese touristischen Interessen als einträglichen Zusatzverdienst betrachtet und eine happige Gebühr kassiert. Nun,
so fuhren wir eben mit
Goldie den Fjorden entlang in Richtung Osten, machten aber zunächst noch von hinten her einen Abstecher auf
den
Almannaskarðsgöng-Pass und bestaunten - aber ohne 4000 Kronen "Bewanderungsgebühr" - die Aussicht. Die Ringstraße führt so ziemlich um
jeden Fjord herum, was die Strecke zwar langfädig, aber auch farblich und landschaftlich sehr abwechslungsreich macht: Alle Schattierungen von grün, blau, braun und grau
wechselten sich ab. Unterwegs wurde im hinteren Goldie-Bereich viel gealbert.
Man traf natürlich auch auf viel Erwartetes und weniger Unerwartetes: Dass links und rechts von der Strasse immer wieder die besonderen isländischen Schafe (sie sind kleiner,
stämmiger und haben alle Hörner) antrifft und die exklusiv hier lebenden isländischen Pferde (kein Pferd, das die Insel verlassen hat, darf zurückkehren, keine andere Pferderasse
darf auf die Insel eingeführt werden), daran hatten wir uns schon gewöhnt. Dass aber plötzlich ein roter Stuhl auf einem Felsen steht, war doch nicht so zu erwarten. Felsen sind
nun das nächste Stichwort: An verschiedenen Stellen gab es die Möglichkeit, in den Klippen herumzuklettern. Im Großen und Ganzen endete das auch trockenen Fußes. Entlang der
Fjorde finden sich immer wieder für unsere Vorstellungen kleine, meist Fischer-, Orte. In einem solchen,
Djúpivogur (450 Einwohner),
machten wir auch gemeinsam mit zwei Reisebussen voll Touristen kurz Halt: Eigentlich wollten wir das lokale Museum besuchen (was aber, wie viele andere Museen überhaupt auf der
Reise, trotz Offen-Sein-Sollens dann doch geschlossen hatte) und ein wenig zwischen den kleinen alten dänisch geprägten Handelshäusern am Hafen herumflanieren. Statt dessen
landeten wir aber in einem kleinen Kaffee und probierten diverse isländische Kuchen nach Grossmutters Art: Der eine entpuppte sich als eine Linzertorte, der andere als ein
Party-Schichtbrot mit Eier-Schinken-Füllung und Omelette anstelle des Brotes, und der dritte war ein 1000 Kalorien starker Schokoladenkuchen. Wegen eines Touristenshops, den die
Busse wohl angesteuert hatten, scheint es hie und da sehr viele Leute in dem ansonsten sehr verschlafenen Nest zu haben. Vom "Hausberg" hatte man einen schönen Überblick über die
Hafenanlage. Als Kuriosität ist vielleicht noch die Dekoration der Quaipoller im großen Hafen, wo ein National Geographic Forscher Schiff angelegt war, zu erwähnen: 34
überdimensional große Eierformen von verschiedenen Vögeln waren hier in Marmor zu sehen. Leider wohl nur in der Form der Realität entsprechend aber hinsichtlich der Grösse jeweils
auf die gleichen Maße "gezoomt".
Neben einem der hier weitverbreiteten Supergeländewagen gibt sich auf einem Parkplatz selbst unser
Goldie eher klein und bescheiden. Auf
dem Weg zum (Tages-) Ziel, dem Campingplatz in
Reyðarfjörður, begegneten uns noch allerlei Gebäude, die man so auch auf dem
Swiss-Miniature finden könnte. Der kleine Campingplatz in dem Fischerort, der im Zweiten Weltkrieg die größte alliierte Operationsbasis im Nordatlantik beherbergte, erwies sich
nach den chronisch überfüllten und sanitärmäßig total überlasteten Campingplätzen im Süden als kleine und feine Abwechslung, auch wenn er zum Leidwesen der Kinder über kein WI-FI
verfügte.